Archiv für die Kategorie ‘Kolams! Wrangelstraße 2008’

Kolams! in der Wrangelstraße|2008

8. September 2008

Der „Wrangelkiez“ ist der kulturell heterogenste Ort Berlins. Hier leben 12.500 Menschen verschiedenster Herkunftsländer und aus allen Regionen der Bundesrepublik. Kaaren Beckhof streute allmorgendlich vor das tamilische Lebensmittelgeschäft „Laxy Cash & Caary“ ein Kolam und setzte damit einen unbekannten Akzent in der Vielfalt der Wrangelstraße.

Kolams! Wrangelstraße 2008

Kolam! Wrangelstraße 2008

Der Geschäftsinhaber S. Guna Singham und seine Mitarbeiterin A. Chita fanden Anlass Fragenden von ihrer Heimat zu erzählen.

Das tamilische Lebensmittelgeschäft „Laxy Caash“

Das tamilische Lebensmittelgeschäft „Laxy Caash“

Kaaren Beckhof war regelmäßig vor Geschäftsöffnung von Montag bis Freitag zwischen Juni und September aktiv und sammelte Reaktionen:

Schön. (Dies war der häufigste Kommentar.)

Wie schön.

Was ist das?

… das ist schön.

Hübsch. (Lächelnde Frau.)

Magisch. (Vater mit Kind.)

Kolam Element

Kolam Element

Günaydin askim. (Nachbar)

Warum machste’n det?

Was wird das?

Das ist das sinnvollste, was in der Straße hier passiert. …was für die Energie. (Fröhlicher junger Mann)

Unendliche Linie

Unendliche Linie

Das kommt aus Indien, hab ich gelesen. (Mann reicht eintretender Kundin mit Kopftuch eine Postkarte.)

Ist das Kreide?
Darf ich das Pulver mal anfassen? (Eines von drei Schulkindern.)

Ach, machen Sie das jeden Morgen?
Ich habe sie ja letzte Woche schon mal gesehen…

Aber da laufen doch die Leute drüber! (Entrüstete Dame, die erkannte, dass das Kolam den gesamten Eingangsbereich zum Laxy Cash & Caary bedecken wird.)
Eso no da resultado.

Manchmal zeigen PassantInnen wortlos, dass sie sich gestört fühlen, weil ich sie zum Ausweichen zwinge.

Kolam in Farbe

Kolam in Farbe

Großartig. Heute mit Farbe, das ist neu.

Jemand schiebt mit seinem Rad bösen Blickes über das unfertige Kolam, als ich Steinmehl auffülle.

Schon wieder´n andres Muster? Und die habn’se auch noch alle im Kopf!

Auffällig häufig schauen türkischstämmige jugendliche Männer Anteil nehmend zu. Im Gespräch stellt sich heraus, dass sie in dem Kolam etwas des Blick fangenden „Auges der Fatima,“ dem orientalischen Schutzamulett „Nazar“, wieder erkennen.

Das Auge der Fatima

Das Auge der Fatima

Das ist tausendmal schöner, als die Graffitischeiße überall! (BRS Angestellter vom abfahrenden Müllwagen her über die ganze Straße hinweg.)

Können wir Sie auch engagieren? (Verkäuferin vom „Bizim Bakkal“)

Mir hat ein Bekannter erzählt, dass ich Sie hier finden würde. (Dame mit weisswallendem Haar, die trotz der frühen Stunde aus Mitte angereist war und fotografierte.)

Gegenüber hat eine Nachbarin sich ein Kissen auf ihr Fensterbrett gelegt. Sie schaut schon seit Tagen regelmäßig um 8 Uhr heraus.

Das ist ganz außerordentlich. Ich bin sehr berührt. (Eleganter älterer Herr, bereits lange verweilend, beginnt ein Gespräch.)

Kolam und Kind

Kolam und Kind

Mein Mann ist auch Künstler. Der hat neulich versucht, eins nachzuzeichnen. Er hat’s Ende aber nicht gefunden. (Frau, ihr Kind blickt gefesselt auf die Linien, die, noch, sehr unordentlich scheinen.)

Janz weit drum rum jehn! Da musste janz weit drum rum jehn, nich drüber loofen jetzte. (Ein älterer Mann mit Bierflasche, von einer Baumbank aus, auf der er den ganzen Morgen über das Geschehen wachte.)


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.